Kostbarkeiten und Raritäten in der Aula der Alten Kantonsschule, organisiert vom Verein tangoaarau
„Ich, das Bandoneon, habe viele Väter“, so begann der Pianist Fabian Klentzke seinen Streifzug durch die wechselvolle Geschichte dieses Instrumentes.
Er spielt seit vielen Jahren zusammen mit Jürgen Karthe (Bandoneon) im Duo »Amoratado«. Die beiden Musiker verstanden es ausgezeichnet, den Weg des deutschen Instrumentes aus dem Erzgebirge nach Buenos Aires nachzuzeichnen. Mit Volksweisen und Werken aus der europäischen Klassik wurde jene Zeit heraufbeschworen, in der das von Heinrich Band weiterentwickelte Instrument (eben Bandonion) in über tausend Volksmusikvereinen gespielt wurde oder als Orgelersatz in armen Kirchgemeinden diente.
Bilder: tangoaarau.ch / CC BY-NC 2.0
Rückblick auf den 31.10.14: Konzertlesung & Milonga mit Livemusik weiterlesen











In seiner Novelle «Der Argentinier» berichtet Klaus Merz vom Schicksal eines Lehrers aus einem aargauischen Dorf. Johann Zeiter, wie der Lehrer hiess, erlaubte sich nur selten fantastische Eskapaden, wie beispielsweise Polonaisen mit seinen Schülern quer über den Friedhof. Er lebte genügsam im kleinbürgerlichen Kosmos des abgelegenen Dorfes. Ihm wurde jedoch zeit seines Lebens eine grosse Könnerschaft im Tangotanzen nachgesagt. In frühen Jahren sei er – so berichtet man sich – nach Argentinien ausgezogen, um Gaucho zu werden. Von der Weite der Pampas überfordert, landete er in Buenos Aires auf dem Tangoparkett und in den Armen der schönen Mercedes. Am Tag, an dem der Grossvater das Tangotanzen erlernt hatte, endete die leidenschaftliche Liebesbeziehung und Johann Zeiter reiste zurück in die Schweiz. Seine frühere Geliebte, die energische, beharrliche aber geduldige Amelie, hatte auf ihn gewartet und wurde seine Frau. Klaus Merz‘ Novelle eröffnet eine ganz eigene und geheimnisvolle Geografie einer Kontinente überwindenden Liebe.